Die Heimat der Wölfe: Ein Kriegsenkel auf den Spuren seiner Familie
Es gibt keine Heilung am Schmerz vorbei.

Wer das Buch des in Berlin lebenden Künstlers Raymond Unger liest, der spürt „Warum es keine Heilung am Schmerz vorbei gibt …“ Wer gesund werden will, mit sich ins Reine kommen will, der muss hinschauen. Und nicht verdrängen. Die Heimat der Wölfe: Ein Kriegsenkel auf den Spuren seiner Familie.  Ein Buch, der dich erahnen lässt, was du tun solltest…

Wölfe

Eigentlich habe ich immer gedacht, dass ich Angst vor Wölfen habe. Aber eigentlich ist dem gar nicht so. Okay, in freier Wildbahn würde ich wahrscheinlich schon vor Schreck erstarren. Aber eigentlich finde ich Wölfe schon seit Kindheitstagen eher faszinierend. Und das hat nichts mit Grimms-Märchen á la Rotkäppchen oder der Wolf und die 7 Geißlein zu tun. Dort kommt nämlich der Wolf immer schlecht weg und das hat mich schon als Kind empört. Ich fand das nicht gut…

Der Wolf ist ein Symbol für eine starke Gemeinschaft, ein Symbol der Weisheit …

Wegen seines stark ausgeprägten Familiensinns wurde der Wolf bei den Kelten als Symbol für die Gemeinschaft verehrt. Und für die Indianer in Nordamerika ist der Wolf ein weiser Lehrer. Er steht mit den Mächten des Mondes in Verbindung.

Die Heimat der Wölfe

Dem Künstler, Autor, Therapeut & Coach Raymond Unger ist mit seinem Buch „Die Heimat der Wölfe: Ein Kriegsenkel auf den Spuren seiner Familie“ ein ausdrucksvolles Werk gelungen, das deutlich anders ist, als die gängige Kriegsenkel-Literatur. Zur Info: Kriegsenkel, das sind die Menschen, die irgendwo zwischen 1960 und 1980 geboren wurden und deren Eltern im 2.ten Weltkrieg Kinder gewesen sind.

Ungers Buch liest sich wie ein guter Roman. Doch es ist die Lebensgeschichte von Raymond Unger selbst, die dem Leser offenbart wird. Die Heimat der Wölfe – das ist die Heimat seiner Vorfahren. Bessarabien. Auch ich musste erstmal nachschauen, wo das auf der Landkarte überhaupt liegt. Bessarabien. Nie gehört… Aber nehmt als Orientierung einfach mal das Schwarze Meer und die Ukraine.

Eine Lebensgeschichte wie die Stränge eines Hefezopfs …

Wer Eltern und Großeltern hat, die auch während des 2.ten Weltkrieges aus ihrer Heimat flüchten mussten, der wird beim Lesen des Buches an vielen Stellen eine seltsame Verbundenheit zum Autor spüren und bemerken, dass die Lebensgeschichte irgendwie mit einem selbst zu tun hat. Und mit der Kindheit seiner eigenen Eltern. Wie bei einem Hefezopf greift der Autor von Kapitel zu Kapitel die verschiedenen Stränge der Zeitachsen auf und flechtet so die Geschehnisse der Generationen zu einem Großen-Ganzen zusammen. Und plötzlich ergibt so vieles Sinn…  Warum die Menschen so agieren, wie sie agieren. Und warum sie uns so fern sind, obwohl sie uns so nah sind (sein müssten) …

Es gibt keine Heilung am Schmerz vorbei.

Im Schlusskapitel betrachtet er die Auswirkungen der damaligen Geschehnisse auf die Menschen, die heute in der Mitte ihres Lebens stehen. Mit ihren Schwierigkeiten und Herausforderungen, mit denen sie zu „kämpfen“ haben. Und kommt zum Schluss: „Es gibt keine Heilung am Schmerz vorbei“ (S. 221). Wer seine Zukunft anders – für sich zufriedener und geklärter gestalten möchte – der braucht die Klärung seiner Familiengeschehnisse in der Vergangenheit. Oder wie ich es in meinem Buch nenne: „Vorwärts in die Vergangenheit!

Fazit: ein absolut lesenswertes Buch!

Ein absolut lesenswertes Buch, das einem zum Nachdenken, Mitfühlen und Mitweinen, aber auch zum Lachen bringt. Ein Buch für alle, deren Eltern und Großeltern im 2.ten Weltkrieg fliehen mussten. Und freilich auch für die, die besser verstehen wollen, was das mit unserem heutigen Erleben und Tun (bzw. Nicht-Tun) zu tun hat.

PS – Postskriptum

Gab‘ es oder gibt es in Eurer Familie eine Sucht-Thematik? Alkohol? Drogen? Exzessives Rauchen? Arbeiten? Oder? Oder? Oder Brieftaubenzüchten?
Oder habt Ihr in Eurem Umfeld auch Suizide erlebt?
Vielleicht gab/gibt es ja scheinbar „vernünftige“ – nachvollziehbare Erklärungen …. Vielleicht liegen die Ursachen dafür aber viel weiter zurück….

… denk mal darüber nach!